Der ewig währende Fluch des Ignaz Aschenbrenner

Folge 1: Wehe dem Erben


Vor einiger Zeit ließ mir der Hörspielautor, -produzent und -regisseur Sebastian Kuboth eine kurze Audiodatei mit den ersten Aufnahmen seines neuen Werkes zukommen, dem er lapidar den Arbeitstitel "Ignaz" gab. In diesem Auszug war nur ein einziger Sprecher zu hören, nämlich Sepp Gneißl, ein bayerischer Schauspieler, der in den 1970er und 80er Jahren durch diverse Lederhosen-Softsex-Filme zu fragwürdiger Berühmtheit gelangte. Aber was dieser kleine Ausschnitt erahnen ließ, elektrisierte mich umgehend und ließ mich das fertige Hörspiel sehnsüchtig erwarten: Meister Eder war von den Toten auferstanden.

Im 19. Jahrhundert lebt Schreinermeister Altinger (besagter Sepp Gneißl) in einem Münchener Vorort. Bei ihm arbeitet der tollpatschige Ignaz Aschenbrenner (Hansi Kraus). Eine etwas hochnäsige Kundin, Frau Hauser, hat Ignaz bereits einmal mit seiner Ungeschicktheit verärgert, aber als Ignaz auf der Suche nach dem Kirschgeist seines Meisters eine wertvolle Schatulle der Hauserin zerstört, spricht sie, die als Hexe verrufen ist, einen Fluch aus. Nicht lange danach stirbt Ignaz in der Werkstatt.




Erzähler … Gerhard Acktun
Ignaz Aschenbrenner … Hansi Kraus
Mathias Mitterer … Winfried Frey
Bartholomäus Altinger … Sepp Gneißl
Bader Waschl … Hans Wannenwetsch
Henriette Bierstengl ... Petra Auer
Anna Lohmeyer … Julia Urban
Rosina Hauser … Claudia Burges
Apollonia Brettlkofer … Balbina Brauel
Hermann Mosbauer … Hans Stadlbauer
Friedrich Munk … Felix Nottensteiner

Mitte des 19. Jahrhunderts lebt in einer kleinen Werkstatt in einem Münchner Vorort der Schreinermeister Altinger mit seinem Lehrling Ignaz Aschenbrenner. Auch wenn er schon über 30 Jahre alt ist, hat er es nie zum Gesellen gebracht. Ignaz, der nicht der Geschickteste ist, zerstört aus Versehen eine wertvolle Schatulle einer Kundin, von der gesagt wird, sie sei eine Hexe. Kaum ist dies geschehen, steht sie in der Tür und verflucht ihn... Dieses schicksalhafte Ereignis wird hundert Jahre später dem Erben der Werkstatt zum Verhängnis...

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Hundert Jahre später erbt der junge Restaurator Matthias Mitterer (Winfried Frey) die heruntergekommene Werkstatt von einem verstorbenen Onkel. An das Erbe sind jedoch strenge Auflagen gekoppelt: Innerhalb kürzester Zeit muss die Werkstatt wieder aufgemöbelt werden und hohe Gewinne erwirtschaften. Mitterers Freundin Anna ist wenig begeistert von dem alten und brüchigen Gebäude, und sein Vetter Hermann ist bereit, das Erbe ersatzweise anzutreten, um das wertvolle Grundstück zu verkaufen. Bei den Aufräumarbeiten entdeckt Mitterer eine alte Dose … und als er sie öffnet, sieht er sich plötzlich dem Geist des verstorbenen Ignaz Aschenbrenner gegenüber.


Winfried Frey, Petra Auer und Autor Sebastian Kuboth beim Signieren

Wahrlich, man fühlt sich wie einst bei den Abenteuern von Meister Eder und seinem Pumuckl, wenn sich Schreinermeister Altinger oder Restaurator Mitterer mit dem unglücksamen Ignaz herumärgern müssen. Denn trotz aller Tollpatschigkeit können weder diese beiden noch der Hörer Ignaz in irgendeiner Weise böse sein. Doch nicht nur die grundlegende Handlung (selbstverständlich können nur die Besitzer der Werkstatt den Geist Ignaz sehen) erinnert an den legendären Kobold. Da singt eine Nachbarin unentwegt „Auf den Bergen wohnt die Freiheit“, da schnitzt Meister Altinger wertvolle Intarsien und so weiter und so fort. Aber auch andere Klassiker bleiben nicht vor Anspielungen verschont: Den Kerschgeist kennt seit Bullys Neuinterpretation des Boandlgramer im Brandner Kasper jedes Kind, und wenn Notar Munk nicht den Lümmeln von der ersten Bank entlehnt ist, dann verputz` ich ein ganzen Eimer Sägespäne aus einer Hinterhof-Schreinerei.

Trotz aller vertrauten Elemente hat das Hörspiel dennoch eine völlig eigene Atmosphäre. Entspannt, gemütlich und ohne irgendwelche Rücksicht auf die Spiedauer erzählt Kuboth seine Geschichte. Wenn eine Brotzeit ein paar Minuten länger dauert, dann ist es eben so, man könnte Frey und Kraus stundenlang zuhören. Ignaz` Rückblende darauf, was nach seinem Tod geschah, hat dagegen etwas sehr Anrührendes, aber auch dunkle Elemente. Glücklicherweise verzichtet das Hörspiel darauf, hier weiter ins Detail zu gehen, denn das öffnet für die offensichtlich geplanten Fortsetzungen viele Möglichkeiten, in der Zeit zurückzugehen, bis hin zu Meister Altinger. Sehr geschickt ist auch, dass die Jetzt-Zeit des Hörspiels nicht in der Gegenwart spielt, sondern wie die Pumuckl-TV-Serie in den 80ern. Damit bleiben allzu moderne Einflüsse außen vor.


Sepp Gneißl und Sebastian Kuboth

Die Sprecher hatten an dem Hörspiel offensichtlich sehr viel Spaß, wie man auch auf den enthaltenen Outtakes hören kann. Kein Wunder: Ein Großteil des hochkarätigen Teams hat bereits in Kuboths Hörspiel-Zweiteiler "Kleine Fische" mitgewirkt. Aber auch die "Neuen" fügen sich wunderbar ein, allen voran der wiederentdeckte Sepp Gneißl oder auch Hans Wannenwetsch als "Bader Waschl" (allein dieser Name ist das Geld wert). Die Geräusche sind dezent eingesetzt und klingen realistisch, lediglich die Musik aus der Feder von Spielemusikmacher Fabian Del Priore kommt ein wenig zu kurz. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Musik statt der Erzählertexte gewünscht, die manchmal etwas langatmig wirken, wenn sie den vorigen Dialog noch einmal ausführlich zusammenfassen.

Die Doppel-CD ist aufwändig gestaltet und enthält im farbigen Booklet auch einen Einblick in das Produktionstagebuch. Mit einer Spieldauer von über 120 Minuten ist das Hörspiel ein wunderschöner Beginn einer hoffentlich erfolgreichen, langlebigen und zeitlosen Serie.

Florian

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